The GALILEO BROTHERS - The Dancing Lawn
Wenn man die Rhythmen aller folkloristischen Musik dieses Planeten in einen Mixer werfen und das Gerät eine Weile rotieren lassen würde, könnte aus der vergewaltigten Masse in all seinen Schnipselfacetten so etwas wie das Grundgerüst dieser CD dabei entstehen.
Mit großer Gelassenheit greifen sich die begnadeten Musiker einige Tonfiguren heraus und fügen daraus eine entspannungslüsterne Non-Folklore, die sie mit umfangreichem Instrumentarium spielen, umspielen und improvisieren. Die dabei verwendeten Rhythmusinstrumente, wie etwa Marimba, Bells, Hand Drum, Kalimba, Antara und viele Blas-, Saiten- und Tasteninstrumente greifen die Themen melodisch auf und entführen die Schnipsel in eine Dimension, die federleichtes Flair hat, hier popmusikalisch, da fast klassisch und dort folkloristisch erklingt.
Nicht genug damit, werden einigen Völkern typische musikalische Ausdrucksweisen entlehnt, die zu ebenso irren und unvoraussehbar sich entwickelnden Melodien verwoben werden. Dann werden die Arrangements der Instrumente abgewogen und die Stimmungen eingepegelt und schon ist "The Dancing Lawn" in Sichtweite.
Doch plötzlich schleicht sich der menschliche Faktor ein: der Keyboarder beansprucht viel Raum, die Bläser verlieren die Lust und die Rhythmusabteilung ist (zwar zahlenmäßig überpräsent, aber) etwas scheu.
Die Schieflage ist zwar noch im grünen Bereich (wie der geradegerückte Turm zu Pisa), doch die ausführliche Tastenarbeit gefährdet die Ruhelage und läßt fast das komplette Werk wie eine Straßenwalze wirken, darauf kann man zwar gut fahren, aber darunter ist wenig Platz zum Atmen.
Nun, zum Ende sieht es doch nicht so übel aus, denn da kam der Mann mit dem siebten Sinn für das harmonische Gefüge und regelte die Auseinandersetzungen an den Knöpfen. Sanfte Entspannung ist garantiert, der Rhythmen könnte es (nicht dickere, aber) vielfältigere geben und die Tasten sind immer noch sehr selbstbewußt im Vordergrund, aber charmant zur Gruppe vereint.
Immer wenn die Rhythmusabteilung sich etwas vorwagt und ihr fragmentarisch geprägtes, aber lebendiges Gefüge in der ersten Reihe spielt, gewinnt dieses zahme, sanfte, kühle und entrückte Album an virtuoser Schönheit.
Deutschland - RAGGAZZI - Volkmar MANTEI
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